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Reerdigung: Umweltfreundliche Beisetzung ohne Sarg und Urne

Auch Menschen sind Teil des natürlichen Kreislaufs, in den sie nach dem Tod wieder eintreten. Doch wie wichtig ist Einzelnen, auf welche Art dies geschieht? Im Sarg oder Urne, einem von beiden - oder?  

Reerdigungen sind in Deutschland noch nicht weit verbreitet

Bestattungen unterliegen einem steten Wandel. Heutzutage werden bundesweit durchschnittlich 80 Prozent aller Verstorbenen in einer Urne bestattet. Mit Caspary Bestattungen setzen 62% aller Zugehörigen ihre Verstorbenen in einer Urne auf einem Friedhof bei, 10 Prozent an einem Baum, 7% auf See und 6% verstreuen die Asche. Die restlichen 15% sind Erdbeisetzungen. Beisetzungen gänzlich ohne Sarg und Urne sind in Bremen derzeit nur aus religiösen Gründen möglich. Reerdigungen gibt es derzeit nur in Schleswig-Holstein, bzw. Beisetzungen nach der Reerdigung in auch in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. 

 

Wie funktioniert eine Reerdigung?

Reerdigungen sind eine Bestattungsform ohne Sarg und Urne und kommen ohne fossile Brennstoffe und weitere Schadstoffe aus. Der tote Körper wird auf Heu und Stroh gebettet, mit einem Substrat aus organischen Stoffen bedeckt und in einem verschlossenen metallenen Behälter 40 Tage lang seicht hin- und hergewogen. Bei einer Temperatur von etwa 70 Grad Celsius transformieren Mikroorganismen, Bakterien und Pilze den Körper zu Humus, der dann beigesetzt wird – zusammen mit den nicht zersetzten Knochenresten. Sie werden fein gemahlen, wie das nach Einäscherungen auch üblich ist.
Befürwortende empfinden Reerdigungen würdevoller und natürlicher. Und je mehr sich Menschen damit befassen, was mit Ihrem Körper nach dem Sterben geschieht, desto häufiger dürfte auch eine Reerdigung gewünscht werden.

 

Wo sind Reerdigungen in Deutschland möglich?

Die für eine Reerdigungen erforderlichen Kokons und Alvarien – wie die Metallbehälter und die Gebäude heißen, in denen die Kokons stehen – gibt es bislang erst in Schleswig-Holstein. 25 Friedhöfe bundesweit erlauben derzeit die Bestattung des menschlichen Humus – in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.
Pablo Metz und Max Hüsch brachten Reerdigungen nach Deutschland, die in den USA entwickelt worden ist. Metz und Hüsch gründeten dafür das Startup „Meine Erde“, mit Sitz in Berlin, hinter dem die gemeinnützige Stiftung „Reerdigungen“ steht. Die Technologie und das Verfahren sind zum Patent angemeldet.

Kritiker*innen äußern Bedenken

Die Zukunft der Reerdigungen sind allerdings völlig offen. Dass der Modellversuch in Schleswig-Holstein jetzt nach zwei Jahren verlängert wird, gilt als gesichert. Doch ist derzeit kein Bundesland bereit, das landeseigene Bestattungsgesetz zu ändern. Das wäre Voraussetzung dafür, dass Alvarien und Kokons auch woanders aufgebaut werden können. Kritiker*innen bemängeln, dass es keine gesicherte wissenschaftliche Expertise darüber gibt, wie nachhaltig Reerdigungen tatsächlich sind. Tatsächlich ist es eine Technologie, für die auch Energie eingesetzt wird.

Es gibt zudem ethische und kulturelle Bedenken: Manche sehen in dem Gesamtprozess eine Störung der Totenruhe, anderen dauert die Transformation zu lange, bis es zur Beisetzung in der Erde kommt.
Außerdem ist die neue Bestattung noch recht teuer. Unter anderem müssen Überführungskosten nach Schleswig-Holstein und wieder zurück eingeplant werden, die Kosten für die Reerdigung sind im Vergleich zur Feuerbestattung ebenfalls deutlich höher.

 

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Als Bestattungsunternehmen beraten wir Sie gern unverbindlich und neutral und halten Sie über Neuigkeiten auf dem Laufenden, damit Sie den für sich besten Weg auch nach dem Lebensende finden.

Kersten Artus Profilbild

Kersten Artus

Trauerrednerin, Journalistin

Kersten Artus, 61, verheiratet, zwei Kinder, vier Enkel, Journalistin und Trauerrednerin. Sie lebt in Hamburg, doch ihre Wurzeln sind in Bremen. Mindestens einmal die Woche ist sie in ihrer Heimatstadt - privat wie beruflich. Sie mag ihren Garten, fährt Fahrrad und Bahn und schwärmt für Harrison Ford und schreibt für Caspary Bestattungen das Journal.