@
\

Interview mit Malin Baßner

Malin Baßner ist 34 Jahre alt, arbeitet seit fünf Jahren bei Caspary Bestattungen und spricht im Interview mit Kersten Artus über Ihre Erfahrungen aus der Bestattungsarbeit. Sie stammt aus dem Rhein-Main-Gebiet, hat Theaterpädagogik studiert, künstlerische  Projekte wie „La Strada“ betreut.

Zu Caspary kam sie über einen Minijob. Ihre Aufgaben dort sind vielfältig: Sie holt Verstorbene von ihrem Zuhause, aus Krankenhäusern oder Pflegeheimen ab, wäscht und kleidet sie ein, nimmt an Abschieden am offenen oder geschlossenen Sarg teil, bringt die Verstorbenen zur Einäscherung ins Krematorium und begleitet Trauerfeiern und Beisetzungen.

Wann ist Dir der Tod das erste Mal begegnet?

Ich bin in der Landwirtschaft auf einem großen Hof aufgewachsen. Der Tod von Tieren ist für mich ein fester Bestandteil des Alltags gewesen – wozu auch das Schlachten gehörte. Ich war traurig, als meine Lieblingskuh Hanna plötzlich nicht mehr da war. Wenn wir Kinder tote kleinere Tiere gefunden haben, haben wir sie oft mit einer kleinen Zeremonie begraben – Wir hatten nachher einen richtig kleinen Tierfriedhof im Garten.

Mit dem Tod eines Menschen bin ich das erste Mal konfrontiert gewesen, als in einer anderen Familie ein Kind gestorben war. Es wurde drei Tage aufgebahrt. Immer war jemand bei ihm im Zimmer. Nachbar*innen, Bekannte und Verwandte kamen und nahmen Abschied. Ich fand, dass es wie eine Puppe aussah. Die Stimmung hatte ich als etwas ganz Besonderes empfunden, so friedlich. Richtig erfasst hatte ich damals noch nicht, was es für eine Familie bedeutete, wenn jemand stirbt.

Gibt es etwas, was Dir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist?

Meine ersten Toten vergesse ich sicherlich nie: Ich weiß noch ganz genau, als ich das erste Mal mit Cordula Caspary eine Verstorbene abgeholt hatte. 
Und einmal läuteten bei einer Abholung Kirchenglocken – es war Ostern. Ich erinnere mich auch daran, wie besonders es war, als wir eine Person auf Heu und Moos gebettet haben. Allerdings gehört das Versorgen zusammen mit Freund*innen, Partner*innen, den Kindern oder den Eltern der Verstorbenen, zu den schönsten Erfahrungen, die ich mache. Jedes Mal wieder. Ich wünsche mir, dass sich Zugehörige viel öfter dafür entscheiden würden. Es ist dieses Gefühl von Kümmern und Umsorgen, das vielen guttut. Totenfürsorge wirkt sich meiner Erfahrung nach positiv auf das Trauern aus.

Nimmst Du viel mit ins Private? Wie gehst Du mit den starken Emotionen um, die Dir begegnen?

Ich identifiziere mich sehr mit meinem Beruf. Über Bestattungen mehr aufzuklären und die Vorgänge dahinter sichtbarer machen, ist mir ein grundsätzliches und menschliches Anliegen. Es beschäftigt mich auch nach Feierabend, wenn ich Revue passieren lasse, wie mein Arbeitstag gewesen ist.

Ich habe in den letzten Jahren gelernt, mehr auf meine Bedürfnisse zu achten, um diese tolle Arbeit möglichst lange machen zu können. Ich arbeite deswegen in Teilzeit, um genügend Zeit für eigene Rituale zum Entspannen und auch zum Abgrenzen zu haben. Dazu gehört beispielsweise, dass ich mit dem Fahrrad nach Hause fahre.

Stell Dir vor, Bremen würde ein Gelände für einen neuen Friedhof zur Verfügung stellen und Dir den Auftrag geben, ihn auszugestalten. Geld spielt keine Rolle. Wie sähe er aus?

Mit gefallen die Friedhöfe in Bremen schon ganz gut. Wenn ich frei schalten und walten dürfte, würde ich einen Park errichten, der einen Mix aus Flächen für Gräber, gemeinschaftlichen Gedenkorten, Wiesen zum Ausstreuen von Asche, Plätze zum Picknicken und für Freizeitaktivitäten bereithält. Ich würde auch einige verstecktere und ganz ruhige Ort einrichten.

Kersten Artus Profilbild

Kersten Artus

Trauerrednerin, Journalistin

Kersten Artus, 61, verheiratet, zwei Kinder, vier Enkel, Journalistin und Trauerrednerin. Sie lebt in Hamburg, doch ihre Wurzeln sind in Bremen. Mindestens einmal die Woche ist sie in ihrer Heimatstadt - privat wie beruflich. Sie mag ihren Garten, fährt Fahrrad und Bahn und schwärmt für Harrison Ford und schreibt für Caspary Bestattungen das Journal.